Montag, 29. August 2011

"Sexy wie der Teufel"

Ich kaufe für mein Leben gerne Müll. Auch wenn ich sonst in vielen Bereichen recht entscheidungsunfreudig bin, suche ich doch beim Einkaufen konsequent nach komischen Dingen, die ich noch nicht kenne. Das geht von Schoki über Shampoo und Strumpfhosen bis hin zu Zeitschriften, meist mit der Konsequenz, dass ich unzufrieden oder gar verstört bin. Womit wir auch schon beim Thema wären.

Neulich musste ich mal wieder im beschaulichen "Leer (Ostfriesland)" auf die nette Deutsche Bahn warten, als mir im Kiosk eine Zeitschrift in die Hände fiel, von der ich noch niemals etwas gehört hatte. "Fräulein", so sagte mir ein kleiner Hinweis auf dem Magazin, sei "das Frauenheft, das Männer lieben!" Aha. Also ein Schwulenblättchen? Immerhin zierten Schlagwörter wie "Pornos" und "Josh Homme - Sexy wie der Teufel" das Titelbild. Nach einer kleinen Überlegungspause, in der ich zu der Überzeugung kam, dass es sich hierbei wohl tatsächlich um ein Magazin für Frauen handelt, nahm ich mir ein Herz und kaufte das Heft für zwei Euro, was für knapp 170 Seiten ein durchaus akzeptabler Preis sein dürfte.


Ein grober Fehler, wie sich schnell herausstellen sollte!

Selten empfinde ich beim Zeitschriftenlesen eine so tiefschürfende Abneigung den Autoren gegenüber wie bei der Neon. Dass das Ganze aber tatsächlich noch steigerbar sein könnte, davon hatte ich ja keine Ahnung!

Meine Güte, was haben sich die Redakteure hierbei bitte gedacht! Nicht nur finde ich lahme Stories, dumme Fotos und Kaufempfehlungen für verkackt teure und trotzdem extrem hässliche "Must Haves" des Sommers. Nein. Ich bekomme zudem (ohne Scheiß!) "Hemdkleid Schiefer"-Schnittmuster mit passender circa zwanzig Seiten starker Modestrecke ausschließlich über weiße Hemden, ein Tomaten-Möhrensuppen-Rezept (authentisch handgeschrieben selbstverständlich) und, das beste, einen Artikel mit acht Seiten Bildmaterial zum faszinierenden Thema "Schmetterlinge und ihre Metamorphose von der haarigen Raupe zu einem anmutigen Insekt"! Wundervoll!

Das alles mag vielleicht sowieso schon ziemlich unzusammenhängend anmuten. Ich erkenne kein System, keine Strategie und keine klare rote Linie. Wollen die Autoren mich einfach über jede noch so dümmliche Seite des Lebens informieren oder, wahrscheinlicher, haben diese Leute einfach keine Vorgaben? "Mach ma" scheint mir hier das Motto zu sein.

Zusammenhanglose Themen allein sind aber leider noch nicht schlimm genug. Denn was die scheiß Attitüde angeht, das muss man dieser Zeitschrift lassen, so lässt sich tatsächlich ein Muster erkennen! Man sollte doch annehmen, dass man wenigstens über Neuigkeiten informiert wird, wenn auf dem Titel mit einem Thema geworben wird. Aber nein, auch hier weit gefehlt! Mit Abstand der beste Artikel der Zeitschrift ist nämlich der über Josh Homme, dem allseits bekannten Sänger der Queens Of The Stone Age. Und was hier passiert, sollte man wirklich niemals, NIEMALS in einer Zeitschrift oder überhaupt irgendwo lesen müssen. Man nehme nur die Subline und schon hat bekommt man einen Einblick in das "Thema":

"Josh Homme ist ein Rockstar, sieht aus, als hätte er einen riesigen Schwanz, und ist einer der wenigen rothaarigen Männer, der die Nippel unserer Autorin hart werden lässt."

David sagte ganz treffend: "Dieser Artikel ist doch nur um das Wort 'Nippel' herumgeschrieben worden, weil die das mal gedruckt lesen wollten." Mein Eindruck ist ganz ähnlich, denn selten habe ich meine Zeit so verschwendet gesehen wie bei dem Lesen dieser einen Seite. Da ist die Rede davon, dass Mark Zuckerberg aussieht wie ein Rothaariger, obwohl er keiner ist, dass Josh Homme eigentlich selbst ein riesen Penis ist, und dass sich die Verfasserin liebend gern bei Konzerten von Bands, die sie doof findet, Bier übers T-Shirt kippen lässt, eben damit ihre Nippel hart werden. Aha. Bin ich da die Einzige, die den Eindruck bekommt, dass eben diese Autorin eigentlich Pornodarstellerin sein sollte, weil sie sich ja scheinbar sowieso den ganzen lieben langen Tag ihres vermeintlichen Journalisten-Ruhms wegen selbst befummelt und ganz augenscheinlich zwischen den Gedanken an fremder Leute Schwänze ihre Koks-Lines auf dem Redaktionsklo zieht? Junge Junge Junge! Dass neben dem ganzseitigen Foto von Josh Homme auch noch eine selbstgezeichnete Skizze von einer E-Gitarre und einem Penis, und darunter die Schlagzeile "Funk - so nennt man den Geruch von Sex" abgebildet ist, traue ich mich fast nicht zu sagen.

Da frage ich mich nun: Gibt es eigentlich ein Gegenteil von Information? Desinformation trifft hier einfach nicht zu. Ich finde hier weniger als gar keinen Nachrichtengehalt. Im Grunde fühle ich mich nämlich tatsächlich sogar fast ein bisschen dümmer, nachdem ich die "Fräulein" gelesen habe. Kann sowas sein?

Naja. Ich möchte nicht jammern. Ich möchte auch meine zwei Euro nicht wiederhaben. Ich möchte nur wirklich dieses Magazin einfach nicht gelesen haben! Und natürlich alle Welt ausdrücklich vor dieser Rotze von Zeitschrift warnen. Bitte nicht kaufen, denn das macht unglücklich.

Freitag, 26. August 2011

oh I want to get away, I want to fly away.

Vorhin hatte ich das Vergnügen, Ninas Bordkarte für ihren Flug nach San Francisco auszudrucken. Schon morgen geht es um halb zwölf mittags von Amsterdam aus in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, damit sie sich dort während eines zwei Wochen langen Road Trips mit vier guten Freunden die Sonne auf den Bauch scheinen lassen kann. Las Vegas, Los Angeles, die nie endenden Weiten der Wüste; das alles wird die nächste Zeit ihr Leben bestimmen.

Da muss man gestehen, dass man doch recht neidisch wird. Und Fernweh bekommt. Wie gern möchte ich nun auch in den nächsten Flieger steigen und dem Alltagstrott entkommen. Wohin die Reise gehen würde? Diese Auswahl sieht bei mir noch immer recht puristisch aus. LONDON! Auch nach etlichen Besuchen in meiner gedanklichen Heimat bin ich noch immer sehr darauf erpicht darauf, bald wieder mal einen Fuß auf britischen Boden zu setzen. Und nach meinem Fernweh heute sowieso! Oh!

Donnerstag, 18. August 2011

The day the music died.

Früher war alles einfacher. Niemand hat in unserem Land wahllos anderer Leute Autos in Brand gesteckt, zwei Dimensionen waren uns bei Nintentospielen völlig ausreichend und von Ehec hatte auch noch niemals jemand etwas gehört.

Vor allem aber hatte ich immer vernünftige Musik in meiner Playlist.

Doch wie das Leben so spielt, kann man sich nicht aussuchen, woher man seine Inspirationen bekommt. Falls man denn überhaupt welche bekommt! Denn seit nunmehr fast einem Jahr bin ich vollkommen ratlos, was meine Musikauswahl angeht. Wo ich vor einigen Monaten kaum genug Zeit hatte, um alle Platten zu hören, die ich unbedingt noch auschecken musste, ist nun das krasse Gegenteil der Fall. Gähnende Leere und Langeweile herrscht in meinem Kopf, wenn es darum geht, vernünftige Musik auszumachen. Zu lange ist es her, dass mich eine Band oder ein Künstler einfach richig vom Hocker gehauen hat.


Natürlich, mein iPod ist wie immer bis zum Bersten vollgestopft mit lauter Titeln, die "unbedingt noch draufmüssen". Immer wieder lösche ich Musik, um neue draufladen zu können -- nur um sie dann doch nicht zu hören. Ganz schön deprimierend!

Und doch ist es nicht so, dass mich plötzlich die Sehnsucht nach einer gut ausgestatteten Musiksammlung verlassen hätte. Vielmehr sorgt hier das viel zu große Angebot für vollkommene Resignation. Wie soll man sich mit knapp 8000 Liedern in der iTunes-Mediathek denn auch bitte auf ein oder zwei Favoriten einigen? Da werden hochgradig entscheidungsunfreudige Personen wie ich schonmal schnell überfordert.

Doch auch wenn ich mich mal dazu durchringen kann, hier und da zwei Alben zu löschen, die ich nicht mehr höre und auch eh noch irgendwo als (Achtung, Old School) Compact Disc herumliegen habe, löst das noch nicht mein Problem. Denn fast täglich kommen schon wieder neue Möglichkeiten hinzu. Bei den ganzen Youtubes, Facebooks und Simfys wird man bis zum Erbrechen mit neuer Musik regelrecht bombadiert! Na schönen Dank, denn da ist die Wahl mittlerweile eine große Qual. Ich bin ja schon froh, wenn ich die Musik, die ich habe, nicht höre! Da hilft also nur die konsequente Ignoranz von allen neuen Hypes, die einem die Welt andrehen möchte.

Doch trotz aller Negativität, es geht berauf. Ich merke, wie mein Interesse an den Klassikern und auch neuer Musik langsam wieder wächst. Meine Hoffnungen lege ich bereitwillig in die Hände der Kaiser Chiefs, Elbow, I Blame Coco. Und immerhin kommt bald Noel Gallaghers Debüt nach der Trennung von Oasis auf den Markt! Na, wenn das mal nicht Besserung verspricht! Und natürlich darf ich auch hier meine fulminante Simfy-Playlist nicht vergessen, die ich in Anlehnung an witzige Zeiten mit der "Ey, ich flippe!"-Lara erstellt habe. Vollgestopft mit unseren Highlight wie The Killers, Orson, Arctic Monkeys und Maxïmo Park, komme ich nicht umher, durchs Zimmer zu hüpfen und mich meiner zu erfreuen! Und genau das soll Musik ja auch tun: Emotionen hervorrufen. Stimmts?


Auch immer wieder gut: JJ72 "October Swimmer"

Mittwoch, 17. August 2011

I pull my old blue jeans on.

Neulich war ich auf eine Party eingeladen. Voller Vorfeude stand ich also abends um halb acht vor dem Kleiderschrank, um mir ein schönes Outfit auszusuchen, und dann der Horror: Ich hab nichts anzuziehen!

Was ein hausgemachtes Dilemma! Da hat man eine Auswahl, die locker einem kleinen H&M-Store gleichkommt, und trotzdem ist nichts dabei, das einem Befriedigung verschafft. Das eine Kleid hat einen blöden Schnitt, die alte Jeans ist richtig langweilig, das neue Top passt einfach zu keinem Rock, und sowieso, die Röcke sind eh alle kindisch oder nuttig und zum schlichten Pulli fehlt der passende Schmuck. Da kann einem schnell mal die Laune nach einem Abend in Gesellschaft vergehen, wenn man sich in all seinen Fummeln einfach nur deplaziert fühlt!


Was also tun? Den gesamten Schrank mit Inhalt der Kleiderspende übergeben oder einfach alles bei eBay verticken? Beide Optionen führen leider früher oder später dazu, dass man WIRKLICH nichts mehr anzuziehen hat. Also muss eine andere Lösung her. Ich habe an dem besagten Abend, der durchaus nicht der erste, aber der übelste seiner Art war, schon in Erwägung gezogen, in meine Affenpyjamahose zu schlüpfen, eine große Portion Vanilleeis zu futtern und einfach fernzusehen. Doof? Ja! Nach unfassbaren zwei Stunden (!) teilweise wütendem Klamottentesten war irgendwann zum Glück doch noch ein Kleid gefunden, das weder zu langweilig, noch zu nuttig, noch zu spießig, sportlich oder kindisch ist. Dazu noch schnell meinen super Riesen-Schleifen-Gürtel um die Hüfte gebunden und los gings gen Party! Glück gehabt!

Mittlerweile habe ich mich wieder mit einigen Stücken aus meinem Kleiderschrank anfreunden können. Allerdings frage ich mich nun, was mit den ganzen Sachen zu tun ist, die ich nicht mehr trage. Jeder hat doch zwei oder drei Lieblingsstücke, und der Rest der Haute Couture wird meist einfach übergangen. Dazwischen hängen dann Kleider, die ich ein oder zweimal probegetragen und für schlecht befunden habe, T-Shirts, deren Muster auf keine Kuhhaut passt, und auch jede Menge Jeans, die einfach nicht mehr gut sitzen. Aussortieren will man aber auch nicht, denn man weiß ja nie! Vielleicht kommen ja bald Stilbrüche, Mustermixe und schlecht sitzende Hosen in Mode, also werde ich die Sachen sowieso behalten und das nächste Mal wieder hoffnungslos verloren sein auf der gefahrvollen Suche nach dem perfekten Outfit.

here comes the sun.

wie ich es mir wünsche...




wie es leider ist...

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