Freitag, 20. Januar 2012

All You Can NOT Eat

Vor kurzem kam ich mit einer mir bisher recht fremden Art von Mensch in Berührung. Ich hatte schon viel darüber gehört und auch bereits ein paar Vertreter dieser Spezies getroffen, aber diesmal betraf es mich etwas unmittelbarer, und so besorgte ich mir ein paar Insiderinformationen über sie, die großen Unbekannten: die Veganer.

Wenn ich an Veganer denke, kommen mir Bilder von dreadgelockten Hippies in den Sinn, von Aufständigen gegen den Mainstream, von Protesten und Barfüßen und Bong-rauchenden Kuhumarmern. Oder auch von Straight Edgern. Doch was ich beim Surfen durchs Internet an weltfremden Ansichten mitbekommen durfte, lässt mich doch sehr an der Intelligenz so mancher Artgenossen zweifeln.

Versteht mich nicht falsch. Ich selbst war stolze sechs lange Jahre meines Lebens Vegetarierin, und ich ekle mich auch heute noch oft genug vor dem völlig überzogenen Fleischkonsum mancher Mitmenschen. Dennoch: Veganismus war mir schon immer ein Mysterium. Keine Milch, keine Eier, nur Grünkohl und Bananen, am besten noch selbst angebaut. Nun gut, wie das alles funktioniert, weiß ja jeder.

Aber dass sich ernsthaft Leute weigern, ihre eigenen Sprößlinge mit Muttermilch zu stillen, und zwar aus dem simplen Grund, dass auch Muttermilch ein tierisches (jawoll!) Produkt ist, ist einfach ohne Karten. Zudem versuchen einige, durch doch sehr bescheidene Umschreibungen von Milch und Eiern als Kuhdrüsensekret und Hennenmenstruationsprodukte und auch Honig als Bienenerbrochenes das emotionale Hirn zu stimulieren und Ekel hervorzurufen --  als wenn wir alle nicht wüssten, was wir da konsumieren? Weitere kritische Punkte sind für so manchen Veganer offenbar auch Alltagsartikel wie Zucker, Brot, Wein und Zigaretten, da manche davon geheime tierische Bestandteile haben könnten oder mit tierischen Überbleibseln gefiltert werden. Oder von Tieren konsumiert werden könnten. Oder von Tieren angefasst sein könnten. Oder von Tieren angeschaut werden könnten (oh oh!).

Natürlich könnte man nun die Konsequenz dieser Menschen lobhaft hervorheben. Immerhin ziehen die ihr Ding durch, ohne Rücksicht zu nehmen. Es gibt ja beispielsweise immerhin auch die Sorte von laxen Veganern, die zwar absolut gegen Leder sind, aber Second Hand-Kuhhautschuhe akzeptabel finden, da die Tiere ja nicht direkt für sie getötet und gehäutet wurden, sondern für die Person, die die Treter als erstes kaufte. Man kann sich seine Laster auch schön reden.


Wenn man schon derart radikal ist, sollte man ebenfalls so weit gehen, das Ganze komplett ethisch zu betrachten. So gehe ich einfach aus Prinzip davon aus, dass es für Veganer nicht in Ordnung ist, bei H&M einzukaufen oder Coca Cola zu trinken. Böse Unternehmen hat man als Gutmensch eben zu meiden.

Aber zurück zur essentiellen Thematik: Was essen Veganer letztendlich überhaupt? Ich bin zum Beispiel davon ausgegangen, dass Brot so gut wie immer okay ist. Oder auch Margarine. Aber Pustekuchen, auch vermeintlich vegane Produkte sind es nicht. Und die offensichtlich verbotenen Lebensmittel sind ehrlich gesagt meine liebsten: Schokolade, Pizza mit viel Käse (!), Joghurt, Spaghetti Bolognese und so weiter und so fort.

Überhaupt, was sollte ich schon essen als Veganerin? Ich bin sorbitintolerant, womit schonmal ein Großteil des heimischen Obstes als Option wegfällt. Ich vertrage so gut wie keine schwer verdaulichen Produkte, inklusive deren Pulver- oder Aromaformen. Rohkost sollte ich abends meiden. Genauso wie generell balaststoffreiche Lebensmittel. Und bis heute habe ich nicht richtig rausfinden können, ob ich Soja vertrage oder nicht. Schöne Aussichten? Des Weiteren hat mir Milka niemals so gut geschmeckt wie nach meinem negativen Laktose-Intoleranztest, und dieses Ereignis verbindet mich noch heute mit meiner geliebten Schoki.

Ich frage mich auch, woher die Veganer all die Zeit nehmen. Sie brauchen Zeit, um herauszufinden, was sie essen dürfen. Zeit, um zu überlegen, wie radikal sie werden wollen. Zeit, um sich ihr Brot selbst zu backen, ihre Marmelade selbst einzukochen und ihr Gemüsebeet anzulegen. Zeit, um in den paar Bioläden einzukaufen, die es gibt. Zeit, um andere Leute von ihrer Lebensart überzeugen zu wollen oder zumindest, um sich zu rechtfertigen. Haben denn die Veganer noch ein anderes Leben, abgesehen von ihrem Veganismus? Es ist eine Art des Lebenswandels, dessen bin ich mir bewusst. Aber Essen sollte doch Spass machen und nicht das komplette Leben bestimmen.

P. S.: Ich finde es durchaus abartig, Kühe dauerhaft zu schwängern, damit ich meinen Kaffee nicht schwarz trinken muss. Auch ist Gelatine eines der widerlichsten Produkte, die es gibt. Ich ekle mich die meiste Zeit vor der Konsistenz von sowohl gekochten, gebratenen als auch rohen Eiern. Aber ich weiß, wo das alles herkommt. Und ich liebe es, zu essen. Der Mensch ist eben ein Fleisch- bzw. Allesfresser und, wie viele Personen nicht müde sind zu erwähnen, wären wir nun nicht hier, wenn er sich nur von Gemüse ernähren würde. Ich esse hin und wieder sehr gerne Hühnchen zu meinen Kartoffeln und kann damit sehr gut leben. Weil ich es möchte und mich bewusst dafür entschieden habe. Ich respektiere auch die meisten Formen von Geschmäckern, aber ich lasse mir ungern Dinge aufschwatzen. Und was es da draußen an Meinungen zum Fleischkonsum gibt, ist wirklich teilweise so extrem, dass ich nur noch mit dem Kopf schütteln kann. Außerdem gibt es kaum eine so weitreichende lebensmitteltechnische Entscheidung wie die, vegan leben zu wollen. Der Körper hört nach einer Weile auf, Laktase zu bilden, und das war's dann. Got Milk? - Dann auf jeden Fall nie wieder.

1 Kommentar :

  1. oh man ich muss die ganze zeit dabei an einen, den ich mal aus dem wohnheim kannte, denken. als der versucht hat, meinen damaligen laptop zu reparieren, hatte er tatsächlich vor, dies im stehen zu tun, weil ihm mein ikea "plastikleder"sessel nicht passte.
    ich fand es einerseits ja super interessant und spannend, weil ich halt vorher niemanden kannte, der so extrem vegan und straight edge war. aber ich fand es auch anstrengend, weil er echt oft bei mir war, wegen meines laotop problems und ich ihm gern auch mal was gutes getan hätte (mit nem kleinen süßen snack oder getränk zwischendurch), aber ganz egal, was ich ihm anbieten wollte, nichts durfte er essen. frustrierend irgendwie. aber wohl mehr für mich als für ihn, wie es schien.

    ich esse ebenfalls viel zu gern, als dass ich sowas durchziehen könnte.

    und säuglinge und kinder vegan zu ernähren ist das grauenvollste, was ich je gehört habe. ich habe mal gehört, dass selbst wenn eine vegane mutter ihr kind stillt, dem kind wichtige vitamine fehlen.
    ich glaube, da bewegt man sich als eltern in einem sehr riskanten gebiet. das sind umstände, die schnell zur kindeswohlgefährdung führen können

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