Freitag, 2. März 2012

Weiterlesen | Das Ja-Wort

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Titel: Das Ja-Wort, Eine Geschichte vom Heiraten
Autor: Elizabeth Gilbert
Originaltitel: Comitted, A Love Story
Jahr: 2010
Seitenzahl: 452
UVP: 9,95€




[Vorwort: Richtig, eine neue Kategorie namens Weiterlesen. Über Bücher, wer hätte das gedacht?]

Nun bin ich zur Zeit eine recht unbefriedigte Leserin. Keines der Bücher, die ich beginne, halten mich über mehr als zwanzig Seiten wirklich bei Laune. Jede Geschichte ist zu lahmarschig. Jedes Wort zu umständlich. Jede Seite zu viel der Mühe.

Dieses Problem kennt vermutlich jeder passionierte Leser. Manchmal will es einfach nicht funken. In solchen Zeiten bin ich zwar immer fieberhaft auf der Suche nach neuem, interessanten Lesematerial, doch so recht will sich keines finden lassen. Vor allem natürlich, nachdem ein verdammt gutes Buch ausgelesen wurde. Es fällt schwer, sich auf eine neue Story einzulassen, man will eigentlich zurück in die gute, schöne, bekannte Welt des letzten Romanes, doch man muss sich eingestehen, dass dieser Freund vorübergehend nicht mehr für einen da sein wird. Trauer.

Und plötzlich ist sie da, die Rettung! Nach dem wundervollsten Schatten des Windes versuchte ich es mit vielen, vielen Büchern, und doch fand ich die wahre Erlösung erst in der vergangenen Woche in der Fortsetzung eines anderen guten Buches: Das Ja-Wort von Elizabeth Gilbert, bekannt durch den Roman Eat, Pray, Love.

Das Ja-Wort ist eine Geschichte vom Heiraten, und wenn dies auf dem Cover steht, ist es auch so gemeint. Es handelt sich hierbei nämlich nicht um einen klassischen Roman, sondern eher um ein Sachbuch.

Miss Gilbert möchte nach ihrer Scheidung (ausführlich in Eat, Pray, Love behandelt) auf keinen Fall je wieder vor den Traualtar treten. Sie graut sich sogar so sehr vor der Ehe, dass sie mit ihrer neuen brasilianisch-australischen Liebe Felipe vereinbart, niemals zu heiraten. Sehr zum Missfallen der US-Einwanderungsbehörde, die Felipe die Jetset-Fernbeziehung bald untersagt und ihn ausweist - einziger Ausweg aus der Misere ist eine Heirat auf amerikanischem Boden!

Fortan muss sich Elizabeth mit dem Gedanken anfreunden, doch wieder zu heiraten, und macht sich auf die Suche nach dem Sinn und der Geschichte der Ehe.

Eine zentrale Rolle spielt hierbei die Tatsache, dass die Ehe, wie wir sie heute kennen, kaum älter als ein paar Jahrhunderte ist. Geheiratet wurde früher (wie heute auch gerne noch, nur bei uns Westlern eher nicht) vor allem aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen. Die christliche Hochzeit, insbesondere das kirchliche Zeremoniell und das heilige Sakrament der Ehe, bekommt hier richtig ihr Fett weg! Geschossen wird mit allem, was die Geschichte hergibt:

"Wenn wir daher heute von der Unantastbarkeit des Ehebundes oder der Heiligkeit der Ehe reden, täten wir gut daran, uns zu erinnnern, dass an die zehn Jahrhunderte lang das Christentum selbst die Ehe weder für heilig noch für unantastbar hielt. Und mit Sicherheit diente sie nicht als Modell für den idealen moralischen Seinszustand. Im Gegenteil, die frühchristlichen Kirchenväter betrachteten die Institution der Ehe als eine etwas abstoßende weltliche Angelegenheit, die vor allem mit Weibern und Sex, Steuer und Besitz zu tun hatte und ganz und gar nichts mit dem höheren Belangen Gottes." (S. 82)

Natürlich wird auch nicht alles daran schlecht gemacht, aber eine solch kritische Auseinandersetzung liest man eben nicht jeden Tag. Selbstverständlich wird aber auch die Homoehe thematisiert, und dabei kommt Gilbert zu dem Schluss, dass sie eben unausweichlich kommen wird. Schon allein aus dem Grunde, dass sich sonst niemand mehr darum reißt, zu heiraten, und die Scheidungsraten immer mehr in die Höhe schnellen. Die Tatsache, dass wir unsere Ehen mittlerweile darauf basieren, dass wir einander lieben, und  ökonomische Gründen immer mehr in den Hintergrund rücken, bewirkt eben, dass wir keine Garantie für eine lebenslange Bindung bekommen. Doch während die Ehe an sich bei unsereins immer mehr in Verruf gerät, sind es vor allem die Homosexuellen, die danach streben, auch entscheiden zu dürfen, ob eine Heirat das richtige ist oder nicht. Oder, in Miss Gilberts Worten ausgedrückt: "Warum nicht gleich ganze Busladungen von ihnen rekrutieren, damit sie auf heroischen Schwingen herbeirauschen und die erschlaffende und ramponierte alte Ehe vor einem Haufen apathischer, nichtsnutziger, heterosexueller Versager wie mir retten?" (S. 104) Ist doch mal ein Ansatz, oder?

Mir persönlich gefällt Das Ja-Wort sehr gut, denn der Spagat aus Roman und Sachbuch wird hier perfekt gemeistert. Man bekommt eine ganze Menge Denkanstöße zum Mysterium der Ehe, und obwohl es bei mir noch weit weit entfernt ist (trotzdem, die Pläne für die Las Vegas-Hochzeit stehen noch immer, und mein Freund scheint dem auch nicht komplett abgeneigt zu sein), kommt man gar nicht umhin, über den Sinn der Heirat nachzusinnen. In jedem Falle ein interessantes, empfehlenswertes Buch, jedoch nichts für Leser, die nur nach einem leichten Nachfolger zu Eat, Pray, Love suchen. Wer mehr wissen möchte: Buch her und weiterlesen!

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